Erste Erdbebenhilfe erreicht die Opfer:

105 Thermozelte, 515 Decken und 100 Solarlichter wurden verteilt!

 

Am 6. Februar 2023 fanden zwei Erdbeben der Stärke 7,7 und 7,6 mit Epizentren in den kurdisch-alevitischen Städten Pazarcik und Elbistan (Provinz Kahramanmaras) statt. Betroffen waren 13,5 Millionen Menschen in 10 Provinzen in der Türkei und in den von der Türkei besetzten kurdischen Siedlungsgebieten um Afrin sowie der von den Islamisten beherrschten Provinz Idlib in Nordsyrien.

Infolge der Erdbeben haben weit über 50.000 Menschen ihr Leben verloren, etwa 100.000 Menschen sind verletzt, Millionen Menschen sind immer noch auf der Suche nach einem Obdach.

Unmittelbar nach den Erdbeben am 6. Februar 2023 startete Pro Humanitate e.V. gemeinsam mit Franziskaner-Helfen e.V. und vision:teilen e.V. eine Nothilfe für Erdbebenopfer. Unser Team befand sich vom 15. Februar bis zum 1. März 2023 in der Region. Trotz vieler Hürden haben wir es geschafft,
105 winterfeste Zelte, 515 Decken und 100 Lichtstrahler in sechs Dörfer um Adiyaman zu bringen. Die Verteilung fand am 25. und 26. Februar statt.

Die Stadt Adiyaman ist bis zu 70% zerstört. Jede Familie in den umliegenden Dörfern um Adiyaman beherbergt zurzeit Verwandte und Bekannte, die in der Stadt lebten.

Hürden, Probleme und Benachteiligung

Die Regierung, der Katastrophenschutz AFAD und der Türkische Rote Halbmond haben zu lange gezögert und in den ersten Tagen nach dem Beben unzureichende Rettungs- und Hilfsmaßnahmen gestartet. Bis heute beklagen viele Opfer, dass sie die humanitäre Hilfe nicht erreicht, dass einige Gebiete bewusst vernachlässigt werden.

Vier Wochen nach den Erdbeben hat die Bevölkerung in tausenden Dörfern immer noch keine staatliche Unterstützung bei Bergungsarbeiten und keine erste Nothilfe erfahren. In den Städten sieht es leider nicht anders aus, weder Zelte und Container noch Lebensmittel und Hygieneartikel sind ausreichend vorhanden.

Der Türkische Rote Halbmond hat bespielweise seine Zeltbestände nicht an die Opfer des Bebens verteilt, sondern durch ihren Verkauf an Private Organisationen sogar über 2,3 Millionen Euro eingenommen. Weiterhin beschlagnahmt die Regierung immer noch die Hilfsgüter der Zivilgesellschaft. Diese beschlagnahmten Hilfsgüter werden des Öfteren auf den Namen der regierenden Partei AKP oder des Katastrophenschutzes (AFAD) umetikettiert und an ihre eigene Klientel verteilt. Zum Zweck der Beschlagnahme sind auf jeder Autobahn und Kreuzung Kontrollpunkte und Checkpoints eingerichtet, Helfer werden festgenommen und gefoltert.

In den letzten zehn Jahren hat die Regierung ihr „Baufrieden“ genanntes Projekt vorangetrieben, mit dem hunderttausende nicht erdbebensicher erbaute Gebäude im Nachhinein ihre Bewilligung bekommen haben. Was als Wahlkampftaktik der Regierungspartei AKP begann, um die Stimmen der Besitzer dieser Häuser zu bekommen, hat mutmaßlich zum Einsturz eben jener Gebäude geführt, die zehntausende Menschen in den Tod rissen.

Die Grenzen nach Nordsyrien sind immer noch geschlossen

Die Grenzübergänge zu Erdbebengebieten in Nordsyrien werden immer noch durch die Türkei geschlossen gehalten, während Millionen Menschen dringend Hilfe benötigen, aber fast keinerlei Unterstützung bekommen können. Auch Sachspenden aus Deutschland werden an der türkischen Grenze beschlagnahmt. So wurden z.B. auf Initiative von syrischen Schüler*innen einer Gesamtschule in Köln Sachspenden gesammelt, ihrer Transport wurde mit Tausenden Euro finanziert. Die Ladung wurde an der türkischen Grenze beschlagnahmt und dem türkischen Katastrophenschutz (AFAD) übergeben und konnte so ihre Zieladresse in Nordsyrien nicht erreichen.

Um dieser Praxis rasch ein Ende zu setzen, muss die Bundesregierung dringend handeln, damit die Hilfsmaßnahmen der Zivilgesellschaft, auch aus der Bundesrepublik, nicht gehindert, die Helfer der NGOs nicht schikaniert und ihre Hilfsgüter nicht beschlagnahmt werden. Außerdem muss die Türkei die Grenzübergänge nach Nordsyrien öffnen!

Es gab auch Versuche, unsere Lieferung zu beschlagnahmen. Dank unserem Team, den Dorfvorstehern und weiteren Helfern vor Ort konnte unsere Lieferung schließlich doch die Dörfer um Adiyaman erreichen und verteilt werden.

Die Erdbebenhilfe, mit der 105 Zelten, 515 Decken und 100 Solarlichter finanziert werden konnten, betrug insgesamt 57.153,70 Euro, die wir dank Franziskaner-Helfen e.V., vision:teilen e.V. und vieler Spenderinnen und Spendern finanzieren konnten. Unsere Projektleiter*innen aus Deutschland arbeiteten ehrenamtlich, wofür wir uns herzlich bedanken.

Folgeprojekte

In der kalten und nassen Winterzeit war es notwendig, die Erdbebenopfer mit Zelten und Decken zu versorgen. Der Frühling steht bevor und die kalte Zeit ist bald vorbei. Die Zelte und Decken werden auch danach gebraucht, bis die Opfer einen festen Wohnsitz haben. Dies wird eine längere Zeit in Anspruch nehmen, weil Millionen Menschen betroffen sind und die Errichtung neuer Häuser und Gebäude in kürzester Zeit nicht erfolgen kann.

In den nächsten Wochen, in denen sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Wahlen am 14. Mai konzentriert, werden viele Erdbebenopfer ihrem Schicksal überlassen. Es werden weiterhin Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel benötigt, die Kinder brauchen Schulmaterial und die Bauern der Region Saatgut und Tierfutter.

Deswegen planen wir weitere Folgeprojekte.
Mit einer kleinen Spende können Sie dabei sein, die Not der Erdbebenopfer ein wenig zu lindern!

Pro Humanitate e.V.:
IBAN DE78 3706 0193 0025 4350 28
Pax-Bank

Spendenzweck: Erdbeben.
Spenden sind steuerlich abzugsfähig, Spendenquittungen werden Ihnen bei Adressangabe zugestellt.

Wir bedanken uns sehr bei Franziskaner-Helfen e.V., vision:teilen e.V. und unseren Spender*innen für die Anteilnahme und solidarische Haltung! (Stand: 12. März 2023)