Wie jedes Jahr, hat Pro Humanitate e.V. auch dieses Jahr seinen Projekt „Winterhilfe und Lebensmittelhilfe für vertriebene und bedürftige Familien“ in Wan/Van in die Tat umgesetzt.

In Van/Wan war es im Januar winterlich kalt und das ganze Gebiet war schneebedeckt. Tagsüber war es bei purer Sonne etwa minus 5 Grad, abends um die minus 15-20 Grad.

Zwei Jahren nach dem Erdbeben leben immer noch Menschen in Containersiedlungen. In einem ca. 18 Quadratmeter umfassenden Container leben ganze Familien mit Schulkindern, Babys und alten Menschen zusammen. Hinzugekommen sind einige Familien aus Syrisch-Kurdistan (Rojava), die vor dem Krieg geflohen sind.

Auch in Randvierteln, die durch die Vertreibung der türkischen Regierung Anfang der 1990er Jahren entstanden sind, sieht es erbärmlich aus.

Zwei Opfer erzählen:

Abdullah: „Ich stamme aus Cele/Cukurca in Hakkari. Vor 18 Jahren wurden wir und alle Dorfbewohner aus dem Dorf vertrieben. Weil wir abgelehnt haben, für den Staat Dorfschützer zu werden und gegen unsere Söhne und Töchter zu kämpfen, mussten wir alles liegen lassen und weggehen. Nun bin ich in Wan. Im letzten Jahr bin ich ohne Erlaubnis des Militärs in unser Dorf gegangen, wollte sehen, wie es nach 18 Jahren aussieht. Es war sehr traurig. Nicht nur unsere Häuser waren dem Erdboden gleich gemacht, sondern auch unsere Obst- und Weingärten, unsere Walnussbäume sind nicht mehr zu erkennen und lagen brach.

Beim Erdbeben ist unser Armenhaus zerstört worden. Jetzt lebe ich in einer Bruchbude zur Miete. Ich habe 8 Kinder und keine Arbeit. Wenn wir ein Licht am Horizont sehen, werden wir in unser Dorf zurückkehren.“

Fehime: „ich bin 47 Jahre alt und habe 15 Kinder. Der Älteste ist 16 Jahre alt. Keine der Familienmitglieder hat Arbeit. Mein Mann ist bettlägerig. Ich bekomme Unterstützung in Form von Grundnahrung von der Kommune und fertige zu Hause kleine Handarbeiten an, wie Armbänder und Ketten aus billigen Perlen, die ich zu verkaufen versuche.

Wir kommen aus Sirnak. Vor 25 Jahren mussten wir unser Dorf verlassen, weil wir abgelehnt hatten, Dorfschützer zu werden. 10 Jahre lebten wir in Amed/Diyarbakir, dann 5 Jahre in Batman und seit etwa 10 Jahren leben wir hier. Ohne eure Unterstützung und die der Kommune wissen wir nicht, wie wir überlebt hätten. Xwedê we biparêze / Gott soll Euch beschützen!“

Im Sommer 2013 traten die Erdbebenopfer in den Containersiedlungen in einen unbefristeten Hungerstreik, weil das Gouverneursamt den Strom abgestellt hatte. Mit dieser Maßnahme wollte der Staat sie zum Verlassen der Container bewegen. Da viele von ihnen sich keine Mietwohnungen leisten konnten, haben sie beschlossen zivilen Widerstand zu leisten und dort zu bleiben.

Viele der regierungskritischen Massenmedien berichteten darüber. Im Herbst baten uns unsere Kooperationspartner vor Ort um Unterstützung. Daraufhin haben wir beschlossen, ihrer Bitte nachzukommen.

Insgesamt wurden 32 Tonnen Lebensmittel und 400 Winterjacken für Kinder bestellt. Die Lebensmittelrationen bestanden aus je 5 kg Reis, Speiseöl, Zucker, Nudeln, Linsen und Weizengrütze sowie je 1 kg Tomatenmark und Tee.

Insgesamt 1.000 kinderreiche Familien in Wan haben von unserem Lebensmittelprojekt profitiert und 400 Kinder kamen in Besitz einer Winterjacke.

Zum Schluss möchten wir uns beim Päpstlichen Kindermissionswerk und bei der Missionszentrale der Franziskaner sowie unseren Spendern für die geleistete Unterstützung herzlich bedanken.

Wer bei der nächsten Aktion helfen möchte, ist herzlich eingeladen einen kleinen Beitrag zu leisten. Mit 30-35 Euro kann eine Lebensmittelration und mit 15-17 Euro eine Winterjacke für Kinder gespendet werden.

Pro Humanitate e.V. ist gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Konto 10 262 533, BLZ 370 501 98, Sparkasse KölnBonn. (pro-humanitate@t-online.de)